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Baden-Württembergischer
Luftfahrtverband e.V.
Motorflugschule des BWLV  
Reiseberichte

Ein Wochenende in Venedig – oder –

Über Berlin nach Norderney  

Spricht man im Freundeskreis über das Privatfliegen, kommt man im Zeitalter von Google-Earth und Billigangeboten von Fluglinien oft in Erklärungsnot. Als es nun aber hieß, wir fliegen über das verlängerte Wochenende nach Venedig, landen und übernachten da auf Lido und machen vielleicht einen Abstecher nach Kroatien, war der Neidfaktor schon hoch.

In den Tagen davor war aber schon abzusehen, dass sich dieses Vorhaben als Sichtflug am Wochenende 15. bis 17.Mai 2009 nicht verwirklichen lässt. Zwischen Deutschland und Italien liegen bekantlich die Alpen, und an deren Nordseite befand sich (und war weiter vorhergesagt) der schönste Nordstau von Wolken. Die Flugzeuge waren aber schon reserviert, der Urlaub war schon eingereicht und auf der Hahnweide fand ein großer Segelflugwettbewerb statt. Also wurden die Alpenkarten weggepackt und die Deutschlandkarten hervorgeholt. Die Hotels in Italien wurden abesagt und Norderney gebucht. Das Abflugwetter war nicht ganz optimal, aber laut Vorhersage sollte es weiter im Norden besser werden, und es wurde auch besser.                               

                                                                                                           Bild oben: Golfwetter beim Abflug, Foto R. Lang

 

Um den Weg etwas auszudehnen wurde der Umweg über Berlin Schönhagen gewählt. Leider darf man mitttlerweile über Berlin Mitte nicht mehr fliegen, und eine Landung in Tempelhof ist bekannterweise auch nicht mehr möglich. Entschädigt wurden wir etwas dadurch, dass wir in Schönhagen Besuch von der Tante (Ju) bekamen.

 

 

 

Bild: Tante Ju der Lufthansa im Anflug auf Schönhagen 

Der Weiterflug elbabwärts und entlang der Küste war für viele von uns dann ein ganz neues Flugerlebnis. Statt Autobahnzählen war in der Sichtnavigation nun Inselzählen angesagt. Die gefürchtete Seitenwindlandung auf Norderney musste dann glücklicherweise nur mit moderaten Bedingungen geflogen werden. Der Samstag überraschte uns dann mit Traumwetter. Auf einem Spaziergang vom Hotel zum Flugplatz konnten wir feststellen, dass auch auf Norderney gute und nicht so gute Flieger gibt.

 

                                                                                                                      

 

 

Am Fluglatz von Norderney angekommen, konnten wir schon mal die de Havilland der LTU besichtigen. Auch sie ist eine alte (Baujahr 1949) Bekannte vom Oldtimertreffen auf der Hahnweide. Es ist immer wieder phantastisch, wenn man so liebevoll restaurierte Flugzeuge in ihrem Element statt im Museum bewundern kann.

 

 

 

 

 

Bild rechts: Heimischer Flieger auf Norderney

 

 

 

Bild links: DeHavilland auf Norderney

 

 

 

 

Wenn man mit mehreren Flugzeugen fliegt, ist es nicht so tragisch, wenn man für das Samstagsprogramm keine einstimmige Beschlusslage findet. So flogen einige Maschinen nach Bremerhaven und besuchten da das Schiffahrtsmuseum. Die anderen genossen weiter die friesische Inselwelt und flogen eine Abstecher zu den westfriesischen Inseln nach Texel.

 

 

 

Bild unten: Abflug von Norderney mit deHavilland vor dem Tower (Foto R. Lang)

Obwohl der Grasplatz von Texel zunächst gar nicht so einach auszumachen war, wurden wir vom gerade stattfindenden Oldtimertreffen dann doch überrascht. Es waren sehr viele interessante Flugzeuge zu sehen und die Kameraden vom Oldtimertreffen Hahnweide hätten bestimmt auch ihre große Freude gehabt. Die aus den Wolken fallenden Fallschirmspringer bewiesen wieder wie wichtig es ist, beim Überfliegen eines Platzes die Platzfrequenz abzuhören.

Sonntags trommelte dann morgens der Regen ans Fenster und wir dachten, das wird vorerst nichts mit dem Rückflug und drehten uns nochmal im Bett um. Am Frühstückstisch ergab sich aber, dass wir auf jeden Fall schnell zum Flugplatz sollten um bei entsprechendem Wetter sofort abflugbereit zu sein. Also schnell fertig frühstücken, Hotel auschecken und mit dem Taxi zum Flugplatz. Die Wolkenuntergrenze erlaubte dann auch sofort einen Abflug und es ging wieder Richtung Süden zur Hahnweide. Da alle Flugzeuge unterschiedlich tanken mussten, trennten sich zunächst unsere Wege. Aber trotz der 30 Knoten auf die Nase trafen wir uns wieder bei schönem Wetter am späten Nachmittag auf der Hahnweide. Ein großen Lob an die Organisation                                                                                           

 

Informationen zum Ausflug:

Der Ausflug der Motorflugschule findet in der Regel zweimal jährlich statt. Dabei fliegen alle Flugzeuge der Flugschule, vier Cessna 152 und 4 Cessna 172 (in der Regel mit 3 Personen besetzt), über ein verlängertes Wochenende zu einem interessanten europäischen Ziel. Teilnehmen können Flugschüler, Scheininhaber und alte Hasen. Die Leitung der Flugschule sorgt dabei für eine sinnvolle Zusammensetzung der Mannschaften, bucht ein Hotel, besorgt die entsprechenden Karten und Handbücher und schlägt nach ausgiebigen Wetterrecherchen eine sinnvolle Route vor.

Information zu den friesischen Inseln

Die friesische Inselwelt ist immer wieder ein lohnendes Ziel für ein Wochenende. Die meisten der Inseln zwischen Texel in den Niederlanden und Sylt haben einen Verkehrslandeplatz ohne besondere Anforderungen (Wind kommt schon öfter mal vor!). Lediglich Helgoland mit mehreren kurzen Bahnen fordert minimum 100 Flugstunden als verantwortlicher Luftfahrzeugführer, Kurzbahnerfahrung, PPR und Flugplan. Außerdem sind für Helgolandflüge Schwimmwesten erforderlich. Für den deutschen Teil reichen das Blatt Hamburg und die enstprechenden Anflugkarten aus dem AIP aus. Für die Niederlande benötigt man entsprechendes Kartenmaterial und einen Flugplan. Das Wattenmeer aus der Luft zu erleben ist eine tolle Erfahrung.

 

Bild oben: Amphibische Welt der friesischen Inseln, Foto R. Lang 

 

Reisebericht: Ernst Schworm